Der/die/das ANDERE

Rassismus und Ausgrenzung ist immer und überall

Gedankenimpulse von Eva-Maria Popp

Der Juni 2020 ist ein Monat, der in der Geschichte einen ähnlichen Stellenwert haben wird, wie die Ermordung von Dr. Martin Luther King. Dieser besondere Monat wird für immer verbunden sein mit dem grausamen Verbrechen an George Floyd und den Demonstrationen gegen Rassismus auf der ganzen Welt.

Definitiv markiert Floyd`s Tod eine Wende im latenten oder auch offen rassistischen Umgang mit People of Colour in Amerika und rund um den Erdball.

Eine ähnliche Zeitenwende hat die Gesellschaft im Juni 1969 mit den Ausschreitungen und Protesten rund um Stonewall erlebt.

Beide Male geht es um Ausgrenzung, um Erniedrigung, um Hass, um Macht und um Gewalt gegen „andere“ und „das andere“.

In der Kultfigur „ Sylvia Rivera“, der tapferen Drag Queen und Transfrau mit puertoricanisch-venezulanischen Wurzeln, die mit ihrer mutigen Aktion in der Stonewall Bar das Fass zum Überlaufen brachte, vereinigen sich alle Facetten des Rassismus. Als CoP und Transfrau hat sie Zeit ihres Lebens doppelte Ausgrenzung und menschliche Enttäuschung erlebt.

Ich kann mir keine mutigere Frau vorstellen, als Sylvia Rivera.

Als eine der ersten Aktivistinnen hat sie an allen Fronten für die Rechte der Homosexuellen und Transmenschen gekämpft. Sie hat ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdient, gab es doch zu damaligen Zeiten für Transfrauen kaum eine andere Möglichkeit. Mit dem Geld, das sie verdiente, unterstützte sie transsexuelle jugendliche Wohnungslose.

1970 gründete sie den Verein „Street Transvestite Action Revolutionaries“ (STAR), um obdachlose Draq Queens und Transpersonen zu unterstützten.

Besonders tragisch ist es, dass sie mit dem Mainstream der LGBT Bewegung immer wieder in Konflikt kam. Rivera war sehr stark involviert in die „Gay Activist Alliance“. Die Mitglieder dieser Bewegung distanzierten sich allerdings von der Transgenderbewegung. Sie verweigerten die Unterstützung, als es um die Durchsetzung der Rechte für Transmenschen ging. Ein persönlicher, herber Schlag ins Gesicht von Sylvia Rivera, die lange Zeit als Drag Queen lebte und selbst Transfrau war.

Sie musste erleben, dass weiße homosexuelle Männer plötzlich agierten, als ob sie mehr wert waren, als Transmenschen und CoP.

Da war es wieder – „das Andere“!

Du bist anders! Du gehörst nicht zu uns! Wir sind die Besseren!

Diese Vorfälle fanden in den 70 und 80 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts statt. Man würde hoffen, dass dieses ausgrenzende und erniedrigende Denken und Verhalten damit lange Vergangenheit wäre. Doch weit gefehlt:

Noch heute erleben wir es in der LGBTI Community. Da gibt es Transmenschen, die sich erheben und sich über Drag Queens echauffieren:

„Wir sind die Guten, die Richtigen! Ihr seid anders!“

Mein Fazit:
„Das Andere“ ist ein SeelenMONSTER und muss bezwungen werden.

Erst wenn wir erkennen, dass wir alle etwas gemeinsam haben, das uns eint!

WIR ALLE sind MENSCHEN.

Welche Hautfarbe wir haben, welcher Nationalität wir angehören, ob wir Mann oder Frau sind, intersexuell, asexuell, transsexuell, klein oder groß,, dick oder dünn……..WEN interessiert es?

Nehmen wir uns ein Bespiel an einer großen Frau, die unser aller Respekt verdient:

Sylvia Rivera

Sie ist für mich ein großes Vorbild.

Sie war mutig, sie war menschlich, sie hat geholfen, sie hat gekämpft, sie hatte keine Vorurteile.

„Es ist der Mensch der zählt,“ sagt unsere Stiftungspräsidentin Sabina Kocherhans.

Sylvia Rivera hat nach diesem Motto gelebt und gehandelt.

Es ist schön zu sehen, dass das Andenken an die große Kämpferin Sylvia Rivera durch die Namensgebung einer Straße in New York hochgehalten wird.

Die Sylvia Rivera Street ist eine späte Ehre für eine Frau, der wir alle zu Dank verpflichtet sind. Sie hat uns allen gezeigt, wie es geht.

Ihr bemerkenswerter Lebensweg und ihr Kampf für Drag Queens UND Transmenschen muss unser Vorbild sein. Es ist unsere Verpflichtung ihr zu folgen und endlich „das ANDERS“ in unserem eigenen Denken und Handeln zu besiegen.

Du bist dafür verantwortlich, dass du „DEIN ANDERS“ verwandelst in „UNSER GEMEINSAM“.