Der 17. Mai ist ein besonderer Tag. Weltweit gedenken wir an diesem Datum der vielen Menschen, die tragischer Weise zum Opfer von Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie geworden sind. Internationale Gedenktage haben die wichtige Aufgabe den Finger in die Wunde gesellschaftlich brisanter Themenkomplexe zu legen. Die wachsende Zahl der Phobiker, Hetzer und Hasser gegen Menschen, die vermeintlich anders sind, anders fühlen und anders leben, hat gerade in der heutigen Zeit Hochkonjunktur. Dabei ist es kaum vorstellbar, dass es in unserer aufgeklärten Zeit des frühen 21. Jahrhunderts einen wiedererstarkten Rechtsradikalismus gibt, der eng mit der Tendenz zu den oben genannten Phobien verwoben ist.

Woher kommen diese Phobien? Was treibt die Menschen an, die sich in Verschwörungstheorien verstricken und ihre Ängste in Form von Hass und Gewalt kompensieren?

Sicher kann man sagen, dass es diese Phobien schon immer gegeben hat. Früher waren es die Hexen, die auf den Scheiterhaufen der klerikalen Phobiker und Despoten auf grausame Weise ihr Leben gelassen hatten. Auch die Juden gehören zu den Menschen, die seit Jahrtausenden als Sündenböcke mit viel Leid zur Kompensation von Ängsten herhalten mussten und spätestens seit den neuesten Anschlägen von Erfurt prägt diese Perversion wieder die Gegenwart.

Stark verkürzt und auf den Punkt gebracht kann man die Phobien als Angst bezeichnen vor dem Anderssein.

Je unsicherer ein Individuum ist, umso mehr hält er/sie fest an seinem persönlichen Weltbild. Es schenkt ihm/ihr vermeintliche Sicherheit. Alles, was er/sie kennt, was ihm/ihr bekannt erscheint, was er/sie versteht, weil er/sie es kennt, wird somit als das einzig Gute und Erstrebenswerte angesehen.

Alles andere, das er/sie nicht kennt, bereitet ihm/ihr Angst und bringt sein/ihr eigenes tönernes Weltbild und Lebenskonzept ins Wanken.

Manches Mal steckt hinter einer Homophobie, und all den anderen oben genannten Phobien, auch die Angst vor den eigenen Gefühlen und dem Erkennen oder auch nur erahnen der eigenen, bisher verdrängten, Identität. Nach dem Motto „Was nicht sein darf, kann auch nicht sein“ ist die Ablehnung und Bekämpfung bestimmter Lebensentwürfe eine besonders verstrickte Form der Kompensation der eigenen streng unterdrückten Bedürfnisse.

Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft, Homo-,Bi-, Inter- und Transphobien sehr ernst zu nehmen und von Seiten des Gesetzgebers aber auch der Kulturschaffenden und der Erziehungswissenschaften, alles dazu zu tun, dass Menschen zu ihrem Selbstbewusstsein finden und aus unseren Kindern starke Persönlichkeiten werden.

Die beste und wirksamste Prophylaxe vor den Auswüchsen aller Art von Phobien sind selbstbewusste Menschen. Wer sich selbst kennt, wer mit sich im Reinen ist und sein eigenes Leben selbstbestimmt leben kann und darf, hat keine Angst vor den selbstbestimmten Lebensentwürfen seiner Mitbürger*innen.

Deshalb ist jede Art der Aufklärung über die verschiedensten Lebensentwürfe und Identitäten von Menschen unendlich wichtig, um die Phobien nachhaltig aus unserer Gesellschaft zu verbannen.

Steter Tropfen höhlt den Stein. Jedes Wort, jeder Satz, jedes Gespräch, das sich dem Themenkomplex der Phobien widmet und aufklärt ist einer dieser Tropfen.

Deshalb appelliere ich an alle, die publizistisch und in irgendeiner Form gesellschaftspolitisch tätig sind, sich mit den genannten Phobien auseinanderzusetzen und alles dafür zu tun, dass sie in Zukunft keine Chance mehr haben.

Mit jedem Wort hingegen, das andere diskreditiert, ausgrenzt, beschmutzt und besudelt, wird den Phobien eine Brücke gebaut.

Somit kann und muss JEDE/JEDER auf Sprachhygiene in seinem eigenem Sprachgebrauch und seinem eigenen Umfeld achten.

Jeder kann und muss etwas gegen Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualitäts-Feindlichkeit tun!

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