Julien ist jetzt Julana – Ein Vater erzählt:

„Es gibt Tage im Leben, die man nie vergisst. So geschehen am 11.01.2019. Es war ein Freitag, der für mich als Vater sehr turbulent war und mit einem Verlust und einem Gewinn enden sollte:

Ich wurde gegen 11 Uhr in die Schule gerufen: Mein Sohn Julien hatte starke Bauchschmerzen und ich sollte ihn abholen. In der Schule angekommen übergab mir die Schulbegleiterin für die Integration von Inklusionskindern
meinen Sohn mit den Worten „Julien hat starke Bauchweh. Und er hat sich heute Vormittag vor die Klasse und die Lehrerin gestellt und gesagt: Ich bin jetzt ein Mädchen und will so behandelt werden.“

Danach habe der Schulsozialarbeiter ihn dazu befragt, und darauf hatte er Bauchweh. Ich schwankte zwischen Wut auf die Lehrkraft und den Sozialarbeiter und Bewunderung für meinen Sohn. Dazu kam eine gewisse Panik:

Wie sollte ich reagieren?

Okay, erst mal die Gesundheit meines Kindes, dann sehen wir weiter. Ich nahm also Julien an die Hand, bedankte mich bei der Schulbegleiterin und wollte gehen. Dabei lief mir dann die Klassenleiterin hinterher und meinte, sie müsse ganz dringend mit
mir sprechen. Ich anwortete ihr sehr bestimmt, dass mein Kind krank sei und dass dies wichtiger sei, als das Gespräch mit ihr. Zum Verständnis trägt vielleicht bei, dass das Verhältnis zwischen der Lehrerin und mir nicht das Beste ist.

Auf der Heimfahrt informierte ich meine Frau in Kürze über die turbulenten Ereignisse, und ließ mir von Julien erzählen, was passiert war. Und dann kam das, was ich und meine Frau schon lange vermutet hatten:

Das Outing.

„Papa, ich habe heute in der Schule gesagt, dass ich ein Mädchen bin und du weißt ja, dass ich das schon öfter zu euch gesagt habe, dass ich so sein will, und mein Bauch sagt das auch!“ …

…sicher sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, nun ähnlich sprachlos und verwirrt. Ähnlich wie der betroffene Vater, die Lehrerin und der Sozialarbeiter.

Besser als mit diesem Brief eines betroffenen Vaters könnten wir, von der SK WelcomeHome – die TransgenderStiftung,  es nicht beschreiben. So wichtig ist es, dass wir alle über das Thema Transgender Bescheid wissen und aufgeklärt sind.
Transgender kann ALLE Schichten der Bevölkerung, alle Familien und alle Menschen treffen. Vor allem auch Kinder sind betroffen. Julien ist jetzt Julana. Zum Glück hat sie Eltern, die sich mit ihrer Geschichte identifizieren und verstehen wollen und auch verstehen.
DAS ist die beste Voraussetzung für Julana und ein selbstbestimmtes Leben.

Im Übrigen…..die ganze Geschichte von Julana lesen Sie im neuen Stiftungsbuch „Vom Slumgirl zur Botschafterin – one voice – one heard – Transgender“.
Es erscheint am 30. Novebember 2019.

Unterstützen Sie uns bei der Herausgabe dieses Buches und spenden Sie auf Kickstarter!

1 Antwort
  1. Carmen Krisai Chizzola
    Carmen Krisai Chizzola sagte:

    ich habe mich über Julianas handgeschriebene Karte im Geschenkesackerl sehr gefreut. Juliana, Du warst ja sehr fleissig mit dem Schreiben, alles Originalkarten, alle Gäste haben eine erhalten…und ich war auch fleissig beim Portraitieren / Zeichnen, der lange Abend in München am 30.11. war für mich aber viel zu kurz um auch Dich und Deinen Bruder zu zeichnen… und viele andere! das wird nachgeholt, irgendwo und irgendwann. liebe Grüße vom Oldtimerbild, Carmen

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